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Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: Di 12. Mär 2013, 17:04
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WR: Lady Amazia(ID: 216789)
Dies ist eine Geschichte, die während meiner Schulzeit entstand, auf irgendeine Weise hat sie mich durch die schweren Zeiten begleitet, ist daran gewachsen und hat auch mir geholfen. Jetzt habe ich mir die Zeit genommen und damit begonnen, sie aufzuchreiben.
Hier ist der Anfang, wenn ihr an mehr interessiert seid, dann poste ich hier auch gern mehr.

„Du warst wieder am Strand unten.“ stellte Glendas Mutter unüberhörbar unzufrieden fest. Glenda, eine junge Frau von 27 Jahren, stieg ohne eine Antwort die Treppe zu ihrem Reich im Dachstuhl des kleinen Hauses hinauf. Sie hatte keine Lust wieder den gleichen Streit mit ihrer Mutter zu führen, den sie nun schon seit fast einem Jahr regelmäßig mal lauter mal leiser führten. „Komm runter zum Abendessen.“ drang gedämpft die Stimme ihres Vaters herauf. Glenda blieb noch einen Moment sitzen und schaute aus dem Fenster aufs Meer hinaus, wie sollte sie sich nur je wieder an das Leben hier in diesem Haus gewöhnen, wo sie doch die endlose Freiheit der See kannte. Seufzend erhob sie sich, dabei fiel ihr Blick auf den Nachttisch neben dem Bett, wieder einmal fehlte das Bild. Ihre Mutter hatte also wieder einmal aufgeräumt ohne sie zu fragen. Sie öffnete die oberste Schublade, zog das Bild ihrer Scylla heraus und stellte es wieder an seinen gewohnten Platz. Kurz darauf polterte sie die Treppe herunter. Ihre lautstarke Ankunft trug ihr einen missbilligenden Blick ihrer Mutter ein, ihr Vater murmelte wenig freundlich in seinen Bart. Still setzte sich Glenda an den Tisch, Hunger hatte sie keinen, sie konnte sich schon kaum mehr an die Zeit erinnern, als sie für zwei gegessen hatte, ohne dabei auch nur ein Gramm zuzunehmen. Jetzt fehlte ihr die harte Arbeit und auch jeglicher Appetit. „Du musst endlich nach vorne schauen und aufhören Dingen nachzutrauern, die nicht mehr sind.“ meinte ihr Vater zwischen zwei Bissen. „Such dir eine ordentliche Arbeit und vergiss die alte Scylla. Sie ist eben verloren und das musst du dir wohl oder übel selbst zuschreiben.“ Glenda konnte es nicht hören, wenn ihr Vater so sprach, ja, er hatte Recht, es war ihre Schuld, sie war leichtsinnig gewesen, doch das half ihr nun nicht weiter. Mit Tränen in den Augen stand sie ruckartig auf und verließ das Haus.


Die Geschichte steht selbstverständlich unter meinem Copyright.

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Zuletzt geändert von Satina am Mi 20. Mär 2013, 18:12, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Hoffnungshorizont
Verfasst: Di 12. Mär 2013, 18:17
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Eine interessante Geschichte!
Möchte wissen wie es weitergeht


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Re: Hoffnungshorizont
Verfasst: Di 12. Mär 2013, 19:35
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Schreib doch weiter! Interessante Geschichte, toller Schreibstyl

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Re: Hoffnungshorizont
Verfasst: Di 12. Mär 2013, 21:45
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WR: Lady Amazia(ID: 216789)
Dann will ich mal niemanden länger auf die Folter spannen, hier ist der zweite Teil...


„Du musst es ihr nicht immer unter die Nase reiben, Thomas.“ sagte Abigail ruhig zu ihrem Mann, „Meinst du nicht, dass unsere Tochter schon genug gestraft ist?“ Sie erhielt keine Antwort außer einem kurzen Räuspern. Glendas Vater war nicht gut auf das Thema zu sprechen. „Mein Gott!“polterte er los, „Sie soll endlich begreifen, dass der verdammte Kahn den Strand nie mehr verlassen wird, was bedeutet ihr dieser Haufen von Stahl bloß so viel.“ Tief in Abigails Kopf flüsterte eine Stimme „Freiheit“ doch sie sprach den Gedanken nicht aus, ihr Mann hielt nichts von solcherlei Träumereien. Der Rest der Mahlzeit verlief schweigend. Nach dem Abendessen ging Glendas Vater meist in die Stube, um die Abendnachrichten zu schauen. Abigail räumte den Tisch ab und wusch das Geschirr. Sie ertappte sich dabei, wie sie leise eine alte Melodie summte, die sie einst ihrer Tochter beigebracht hatte.

Glenda rannte, nur weg, weg von ihrem Vater, der sie nicht verstand, und auch nicht versuchte, ihre Trauer irgendwie zu verstehen. Weg aus der Enge des kleinen Hauses, weg von der Fürsorglichkeit ihrer Mutter, die ihr das Gefühl gab, abhängig zu sein. Sie musste sich jedoch eingestehen, dass sie genau das nun war, sie hatte keine Bleibe, außer dem Haus ihrer Eltern, ihr Vermögen lag auf dem Strand und wurde vom Zahn der Zeit zerfressen. Ganz von allein fanden ihre Füße den Weg hinunter zum Wasser. Im ersten Abendrot erklomm sie die Düne. Trockenes Gras knisterte unter ihren Füßen. Einen kleinen Moment heiterte sie der Anblick des schimmernden Sonnenunterganges auf, der Augenblick war jedoch schnell vorbei, als sie den Kopf wandte und ihren Blick über den Rumpf der Scylla gleiten ließ, der sich schwarz gegen den rotorangenen Himmel abhob. Der Bug hatte sich tief in den Sand gegraben, das Heck lag noch immer im flachen Wasser, hier und da hatten sich kleine Sandbänke gebildet, die im Abendlicht dunkelrot schimmerten, wann immer sie von der leichten Brandung benetzt wurden. Langsam schritt Glenda die Düne hinab, nun hatte sie keinen Blick mehr für die atemberaubende Schönheit der Farben. Direkt am Bug ließ sie sich im Sand nieder, den Rücken an den kalten Stahl gelehnt. Hin und wieder benetzte eine Welle ihre Füße. So nah war die See, so nah die Freiheit und doch unerreichbar fern. Sie begann eine langsame Melodie zu summen, sie wusste nicht einmal woher sie sie kannte, sie kam einfach aus ihrem tiefsten Inneren, mischte sich mit dem Geräusch der Brandung und dem gelegentlichen Knarren im Rumpf zu einer traurigen Symphonie.

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Re: Hoffnungshorizont
Verfasst: Mi 13. Mär 2013, 15:36
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WoW :shock:
Echt spannend! Will mehr!


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Re: Hoffnungshorizont
Verfasst: Mi 13. Mär 2013, 15:54
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WR: Lady Amazia(ID: 216789)
Dann bitteschön, mehr :-)

Leise Schritte im Sand ließen sie erstarren. Sie widerstand dem Impuls aufzustehen und sich zu verstecken, sie wollte allein sein, sie wollte mit niemanden reden, wie sollte sie auch jemand verstehen. Niemand war wie sie, alle hatten eine, wie nannte es ihr Vater stets „ordentliche Arbeit“, nur sie, sie hatte es immer hinaus gezogen, immer dem Horizont entgegen. Die einzige die Glenda wenigstens ein wenig verstand war Kimberley, mit dem Unterschied, dass ihre Freundin Eltern hatte, die das Gefühl der Freiheit, das Gefühl fliegen zu können, kannten.
Abigail blieb in einigem Abstand stehen, der Sand war kühl unter ihren nackten Füßen. Sie wusste nicht, was sie ihrer Tochter sagen sollte. In ihrem tiefsten Inneren verstand sie sie, auch wenn sie es nur selten zeigte, um die Wut von Thomas nicht zu reizen, die sich immer häufiger gegen Glenda richtete. Leise trat sie näher an den Bug, lehnte sich mit der Schulter dagegen und blickte auf die schimmernden Fluten. „Was willst du hier?“ Glenda schaute nicht auf, hatte jedoch längst bemerkt, wer gekommen war. „Ich will lernen, warum dir das hier so viel bedeutet.“ Glenda dachte eine Weile über die Worte ihrer Mutter nach, wollte sie ihr Glauben, war es gut, ihr alles zu erzählen? „Darf ich mich setzen?“ Respektvoll blieb Abigail in einigem Abstand stehen. Irgendetwas sagte ihr, dass sie nicht einfach näher treten durfte. Dieser Ort gehörte ihrer Tochter, hier war ihre Zuflucht, es wäre nicht richtig, ihr auch das zu nehmen. Glenda wandte ihren Blick nicht vom Horizont ab, nickte aber kaum merklich. Sie hörte, wie ihre Mutter sich in einigem Abstand im Sand niederließ. Niemand sprach, nur das Rauschen der Brandung unterbrach die Stille. Hin und wieder sang der Wind sein klagendes Lied in der Takelung. „Ich habe versagt.“ Glenda hatte nur ganz leise gesprochen, doch ihre Mutter war erschrocken über die tiefe Trauer und Hilflosigkeit, die in diesen wenigen Worten lag, sie waren so endgültig, unwiderruflich. Sie wollte gern widersprechen, doch das würde kaum helfen, für Glenda war das die Wahrheit, eine Schuld, mit der sie verzweifelt versuchte zu leben und es doch nicht konnte. „Ich war nie allein da draußen, ich hatte immer das Gefühl, sie passt auf mich auf.“ ein heiseres Schluchzen verhinderte, dass Glenda weitersprechen konnte. Ohne etwas zu sagen, rutschte Abigail näher an ihre Tochter heran, legte ihr sacht eine Hand auf die Schulter. Das erste mal seit einem langen Jahr lehnte sich ihre Tochter an sie, vergrub ihr Gesicht an der Brust ihrer Mutter und weinte. Doch Glenda spürte keine Erleichterung, irgendwann versiegten ihre Tränen, ihr Blick richtete sich wieder hinaus aufs Wasser. Abigail wartete still, ob ihre Tochter noch etwas sagen würde, sie erwartete es nicht, Glenda hatte sich mehr geöffnet, als sie es gehofft hatte. Die Sonne war inzwischen hinter dem Horizont verschwunden, unstete silberne Schatten glitten über die Wellen. „Lass uns zurück nach Hause gehen.“ Abigail fröstelte, doch eine Antwort erhielt sie nicht. Glenda hatte ihre Füße angezogen, damit sie nicht ständig nass wurden, unbeweglich saß sie da, nur der Wind spielte in ihren Haaren.
„Ich konnte mich immer auf sie verlassen, immer, aber ich habe sie im Stich gelassen, als sie mich gebraucht hätte. Ich war leichtsinnig, nie hätte ich an diesem Abend zu euch gehen und sie allein lassen dürfen. Ich hätte es wissen müssen, wie konnte ich nur so dumm sein zu glauben, die Bucht wäre Schutz genug vor dem Sturm.“Die letzten Worte hatte Glenda förmlich ausgespuckt. Langsam verstand Abigail das ganze Ausmaß an Gefühlen, das ihre Tochter empfinden musste. Nur eines verstand sie nicht, warum fühlte sie sich so schuldig, niemand war zu Schaden gekommen. Fühlte sie sich etwas schuldig gegenüber ihrer Scylla? Abigail konnte sich das nicht vorstellen. Ein Schiff war nichts lebendiges, sie selbst fühlte sich doch auch kein bisschen schuldig, wenn sie ihrem Auto beim Einparken eine Beule verpasste, solange kein Mensch dabei zu Schaden kam, war ihr das egal. Sie würde wohl noch warten müssen, bis ihre Tochter bereit war, mehr zu erzählen. „Komm, wir setzen uns zu Hause vor den Kamin.“ Abigail stand auf, doch Glenda reagiert nicht. „Lass uns ein wenig allein, ich komme später nach.“ wieder sprach sie nur sehr leise. Abigail legte ihrer Tochter noch einmal kurz die Hand auf die Schulter und machte sich dann auf den Rückweg. Erst als sie ein Weilchen gegangen war, fiel ihr die Wortwahl ihrer Tochter auf. „Lass uns allein.“ hatte sie gesagt. War dieses alte Schiff tatsächlich zu einer Art Freund für Glenda geworden? Selbst würde sie diese Frage wohl nicht beantworten können. Mit schnellen Schritten strebte sie in Richtung Haus.

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Re: Hoffnungshorizont
Verfasst: Mi 13. Mär 2013, 16:56
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war viel zu lesen bin aber doch noch fertig geworden!
finde ich echt spannend deine geschichte :D


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Re: Hoffnungshorizont
Verfasst: Mi 13. Mär 2013, 17:43
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Wahnsinnig tolle Geschichte! Das muss ich wirklich mal sagen.
Vom Schreibstyl und der Grammatik ist sie eine der besten Geschichten hier, die ich je gelesen habe. ;)

Was mich aber noch interressieren würde: Zu welcher Zeit spielt sich das Geschehen ab?

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Re: Hoffnungshorizont
Verfasst: Mi 13. Mär 2013, 17:49
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WR: Lady Amazia(ID: 216789)
Danke, da das Ganze letzendlich ein wenig in Richtung Fantasy geht, ist das nicht so entscheidend, aber es gehört schon eher in die JetztZeit.

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Re: Hoffnungshorizont
Verfasst: Mi 13. Mär 2013, 17:54
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Oh okay,ich dachte es spielt sich eher zur Früheren Zeit ab.
Fantasy ist immer gut...solange keine Elfen drinn vorkommen^^

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