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[Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier sein
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 11:34
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WR: Emerald(ID: 223763)
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Liebe Mitglieder,

heute startet die Abstimmung zur besten Geschichte in diesem Schreibwettbewerb.
Wir wünschen jedem Teilnehmer viel Glück in einem fairen Wettkampf.


Bild Thema dieses WBW war: Einmal ein Tier sein

Bild Definition:
  • Schreibt eine kurze Geschichte aus der Sicht eines Tieres (in der ich-Form die Gedanken des Tieres / wie die Tiere sich unterhalten oder ähnliches)
  • Es können ein oder mehrere Tiere die Hauptrolle spielen
  • Menschen können vorkommen, aber es sollte nicht aus deren Sicht geschrieben sein
  • Das Thema der Geschichte ist frei wählbar
  • Der Text sollte 150 - 300 Wörter lang sein


Bitte unbedingt die Regeln beachten
ERKLÄRUNG / REGELN / ABLAUF


Start der Abstimmung: bei Entsperrung
Ende der Abstimmung: 05.08.2017, 12:00 Uhr
Auswertung: am selben Tag oder 1-2 Tage später


Liebe Grüße und viel Erfolg,
das Mod-Team


Bild Auswertung
---folgt später---


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Re: [Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 11:50
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WR: Emerald(ID: 223763)
Bild Die Geschichten


1.)
Die kalten Gitterstäbe berührten meine Nase. Es war dasselbe Gefühl wie jeden Tag. Meine Pfoten berührten die kalten Fliesen. Es war dasselbe Gefühl wie jeden Tag. Meine Augen waren traurig und blickten den langen Gang hinunter. Es war dasselbe Gefühl wie jeden Tag.

Ich hatte die Hoffnung so langsam aufgeben. Ich war mir mal sicher, dass irgendwann ein Tag kommen würde der nicht war wie jeder Tag. Doch das ist schon eine ganze Weile her. Heute war wieder eine neue Chance. Die erste Futterrunde war vorbei, das hieß, dass bald wieder die Besucher kommen würden. Besucher die sich einen neuen Freund suchten.
Ich freute mich für jeden der von hier weg durfte, doch ich wollte auch mal derjenige sein. Derjenige, der ein Herz im Sturm eroberte, der gehen durfte in ein neues Glück, in eine neue Familie. Ich war nichts Besonderes. Und das wurde mir jeden Tag mehr klar an dem die Menschen an mir vorbeigingen. Ich ließ mich auf den Boden gleiten und schloss die Augen. So lange bis ich die ersten Schritte hörte. Die anderen wuselten an den Gitterstäben rum, gaben Laute von sich um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, doch dafür hatte ich keine Kraft mehr.
Ich war auch mal so, doch das hatte aufgehört. Ich verfolgte die Menschen allein mit meinem Blick. Sie blieben nicht mal stehen. Fuß um Fuß lief an mir vorbei, den ganzen Tag. Bis zu dem Moment wo mir ein kleiner Sonnenschein seine Finger entgegenstreckte. Es war so weit. Man hatte mich gesehen. Ich wurde endlich entdeckt. Ich hörte wie die Tür zur Freiheit geöffnet wurde und die Traurigkeit wich aus meinem Körper. Schneller als der Pfleger war ich bei meiner Familie angekommen, angekommen in meinem neuen Glück. In meiner neuen Familie. Ich war also doch etwas Besonderes.

-------

2.)
Als Hund hatte man es gut. Musste sich keine Sorgen machen, wurde von seinen Menschen geliebt. Ich erwachte aus meinem Hundetraum durch ein Geräusch. Sofort fuhr mein Kopf wachsam in die Höhe. Als das Geräusch erneut ertönte erkannte ich, dass es von Draußen kam. Bellend sprang ich auf und rannte auf die verschlossene Wohnungstür zu. Wer war das? Ein Eindringling? Ein Bösewicht? Ich musste ihn verscheuchen und bellte noch lauter, sprang wild herum. Verschwinde, was oder wer auch immer du bist!! Plötzlich erklang hinter mir die Stimme meines Frauchens. An ihrer Tonlage erkannte ich, dass es ihr nicht gefiel, dass ich bellte, aber ich wollte sie doch nur beschützen!! Frauchen, da draußen ist jemand, hast du den gesehen? Er ist bestimmt böse, pass auf! Trotzdem hörte ich etwas unwillig auf zu bellen und knurrte nur noch bedrohlich. Ein Zischen meines Frauchens schickte mich von der Tür weg. Folgsam tat ich, wie mir geheißen, trabte davon, die paar Stufen hinauf und wandte mich dann wieder um. Mit gespitzten Ohren und immer noch böse knurrend beobachtete ich jede Regung meines Frauchens. Mein ganzer Körper war angespannt. Eine falsche Bewegung und ich bin wieder bei dir, Frauchen! Sie öffnete die Tür und ich erkannte - Herrchen!! Voller Freude sprang ich wieder vor und raste auf ihn zu. Lachend begrüßte er mich und ich konnte nicht anders, mein ganzer Körper zitterte vor Aufregung. Immer wieder sprang ich an ihm hoch, was ihm gar nicht zu passen schien, da er mich immer wieder wegzuschieben versuchte. Aber Herrchen, ich freue mich doch so!! Endlich waren beide Menschen wieder hier - meine Menschen! Jetzt lasse ich euch niemals wieder gehen!! Zufrieden tappte ich zurück in mein Bett, rollte mich ein und atmete schwer aus. Nun konnte ich beruhigt weiterschlafen...

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3.)
Der letzte Flug

Graue Wolken über der grauen aufgewühlten See. Rauer Stein unter den Füßen und Wind im Gefieder. Ich sah noch einmal auf das liebevoll errichtete Nest indem meine Eier nun lagen. Gehüllt in ein Bett aus flauschigen Federn. Nur kurz würde ich sie allein lassen. Ich spreizte meine Flügel und stieß mich ab. Sofort erfasste der Wind meinen Körper und geschickt nutzte ich ihn um schnell höher und höher zu steigen. In der Ferne, dort wo es viele Mäuse und anderes Futter gab, war in der letzten Zeit viel los gewesen. Federlose und merkwürdige Dinge, die über den Boden rollten. Große weiße Bäume ohne Krone ragten nun in den Himmel, doch heute schienen die Federlosen nicht dort zu sein. Sofort fiel mir auf, dass die Bäume mehr geworden waren und nun einzelne Äste von ihnen ab standen. Vorher gab es sie hier nicht und auch sonst nirgendwo. Einige von diesen Ästen bewegten sich und ein merkwürdiges Geräusch lag in der Luft. Sollte ich umdrehen? Nein, nur eine Maus oder etwas Ähnliches und dann würde ich wieder bei meinem Nest sein. Schnell wie ein Pfeil flog ich hinüber zu dem Feld, welches früher einmal nur eine große grüne Fläche gewesen war und blieb hoch oben zwischen den Bäumen, späte hinab, suchte zwischen den merkwürdig gelben Dingen, die dort unten regungslos standen eine lohnende Beute. Der Wind trieb mich hierhin und dorthin und langsam verlor ich die Furcht vor den Bäumen. Sie wirkten nicht, als wären sie gefährlich. Dann plötzlich ein Schlag und Schmerz und ich merkte nur noch dass ich fiel. Ich bin noch nie gefallen. Der Boden raste auf mich zu, ich sah noch dicht bei mir einen der weißen Bäume. „Meine Eier!“ ging es mir durch den Kopf und dann umfing mich Dunkelheit.

-------

4.)
Unsichtbar schlängele ich mich durch den Raum. Meine weichen Pfoten lautlos auf dem kalten Boden unter mir. Wo mein Opfer ist, habe ich bereits haarscharf analysiert und mein Blick ist fokussiert. Doch wie immer habe ich einen Rivalen. „Geh weg!“, fauche ich sie so drohend wie möglich an, doch das interessiert sie wie immer nicht. Stattdessen räkelt sie sich auf dem weichen Polster unter sich, als würde sie mich verspotten wollen. Meine Schritte werden schneller, solch einen Spott kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Geschickt umkurve ich den Tischbein und bin nun kurz vor dem Ziel. Ein Fauchen. „Verschwinde hier, ich war zuerst da“, gibt mir meine Konkurrentin zu verstehen. Doch ich weiß was ich will und lasse mich nicht einschüchtern. Ein Geräusch von draußen schreckt mich kurz auf, ich ducke mich und warte kurz ab, bevor ich mich vergewissere, dass alles in Ordnung ist.

Mit einem beherzten Sprung lande ich ebenfalls auf dem weichen Polster. Meine Pfoten versinken ein wenig, während meine Rivalin sich aufstellt und mich böse anfunkelt. Wir beide fauchen und ich höre den Protest von meinem Opfer, es interessiert und beide jedoch herzlich wenig. Wir hatten hier einen Kampf auszutragen. Ich ducke mich unter ihrer Pfote hinweg und stürme auf sie zu. Doch sie ist schneller und... verschwindet. Ich schaue mich kurz um, die Luft ist rein. Zufrieden fange ich an zu schnurren und wende mich meinem Opfer zu. Schnell klettere ich den weichen, warmen Körper hinauf und rolle mit in der Mitte zusammen. „Uff... Renji! Ich habe gerade gegessen, nicht auf meinen Bauch!“, höre ich die Stimme meines Opfers, doch ich weiß nicht, was sie mir damit sagen will. Vermutlich will sie mich für meinen Heldenmut belohnen. Ich schließe die Augen und schnurre weiter vor mich hin.

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5.)
Meine Reiterin saß stolz im Sattel, während ich etwas unsicher wurde. Wir ritten in eine große Halle. Von allen Seiten starrten Leute auf mich und klatschten laut in die Hände. Ich hörte meinen Namen und plötzlich bekam ich das Startkommando. Doch es sollte kein normaler Ritt werden. Kaum lief ich los, standen Stangen in meiner Bahn. Die Stangen waren fast so groß wie ich. Es war nicht das erste Mal das diese Stangen meine Bahn versperrten. Ich wurde immer schneller und steuerte direkt auf die Stangen zu. Aus Angst zog ich meinen Kopf leicht zurück. Würde ich diesen Sprung schaffen? Zielsicher steuerte meine Reiterin auf die gestapelten Stangen zu. Kurz vor den Stangen gab sie mir das Zeichen zum Sprung, ich vertraute ihr und sprang. In der Luft verlagerte sie ihr Gewicht und ich kam ohne Probleme auf dem Boden an. Geschafft! Dachte ich hinterher. Wenige Schritte später folgten die nächsten hohen Stangen. Diesmal war ich ebenso Zielsicher wie meine Reiterin, die mir das Zeichen zum Absprung gab. Ich hob meine Hufe und flog über die Stangen. Sicher landete ich wieder auf dem Boden. Auch diesmal blieben die Stangen stehen. Nach fünf weiteren Sprüngen hatte ich es fast geschafft. Nun waren wir am letzten Hindernis angekommen. Meine Reiterin wurde nervös und somit auch ich. Ein letztes Mal hob ich meine Hufe und sprang. Nachdem ich auf dem Boden angekommen war, schaute meine Reiterin nach hinten, lachte und klopfte mir auf den Hals. Alles Richtig gemacht! Dachte ich und war erleichtert, als wir die Halle schließlich verlassen hatten. Wieder klatschten die Leute laut in die Hände und ich wurde ein wenig ängstlich. Was würde wohl als Nächstes passieren?

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6.)
Geduldig wartete ich auf mein Frauchen. Irgendwie habe ich ein ungutes Gefühl..aber vllt war es nur das trübe Wetter, das mich nervös machte. Gleich würde Anna kommen, sagte mir meine innere Uhr. Stunden vergingen, ich fing an unruhig zu werden und lief den Flur auf und ab. Ich bemerkte wie es allmählich dunkel wurde. Wo bleibt nur mein Frauchen? Hat sie mich vergessen? Ich spürte wie sich mein Magen verdrehte vor Hunger, ich ging zu meinem Wassernapf, um den letzten Schluck daraus zu nehmen und legte mich wieder auf mein Kissen um weiter zu warten. Ihr musste etwas passiert sein..sie würde mich nie verlassen..mit diesen Gedanken döste ich ein. Der warme Sonnenstrahl auf meiner Schnauze ließ mich hochschrecken. Aufgeregt durchsuche ich jedes Zimmer nach meinem geliebten Frauchen, doch sie ist nicht da. Ich hatte großen Hunger und Durst, doch das war mir egal, das einzige Wichtige war Anna. Plötzlich hörte ich wie die Tür aufging, meine Ohren spitzten sich, ich rannte los. Doch meine Freude hielt sich in Grenzen als ich Annas Bruder entdeckte. Er war mir unsympathisch, da er jedes Mal grimmig war, wenn ich ihn sah. Er legte mir meine Leine an und zerrte mich aus der Wohnung, in sein Auto.Wir fuhren lange, bis wir an einem großen Gebäude ankamen und er mich genauso grob aus dem Kofferraum herauszog, wie er mich hinein gestopft hatte. Im Gebäude liefen wir durch Gänge, bis zu einem Zimmer. Ich sah mein Frauchen im Bett liegen und war so glücklich, ich wollte zu ihr rennen, sie freudig anspringen. Ich bemerkte ihre Verbände, ich verstand, sie hatte mich nicht vergessen, und näherte mich vorsichtig. Ich sah dass Anna sich genauso freute wie ich, und wurde gestreichelt. Sogar auf dem Gesicht ihres Bruders konnte ich ein Lächeln vernehmen.

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7.)
Mein Rücken schmerzt. Ich spüre scherzhafte Borsten über meine Haut streifen. Sie sind hart und ungemütlich und fühlen sich nicht gut an. Ich schnappe nach hinten, nur aus Reflex, da es so weh tut, und schon bekomme ich einen festen Schlag auf die Nase. Ich schlage mit dem Schweif, und schon werde ich angeschrien. Das verstehe ich nicht, es tut doch so weh!
Dann bekomme ich eine kurze Pause. Die Schmerzen lassen nach und ich kann mich entspannen. Doch dann kommt der Sattel. Ich reiße den Kopf hoch, bevor der Sattel überhaupt auf mir liegt, da ich weiß, dass es extrem wehtun wird. Doch schon wird mir sehr stark am Strick gerissen. Und zack, der Sattel liegt oben. Wieder reiße ich den Kopf hoch, aber diesmal bekomme ich einen Schlag auf die Schulter. Der Sattel wird festgezurrt und ich spüre meinen Rücken nicht mehr. Deshalb kann ich mich kurz entspannen, aber das ist nicht von langer Dauer, da meine Reiterin aufsteigt. Vor Schmerzen mache ich einen Satz nach vorne, diesmal bekomme ich einen Schnalzenden Schlag mit der Gerte.
Ich werde nicht aufgewärmt und muss sofort losrennen. Plötzlich höre ich auch schon Anweisungen von einer Frau neben mir. Abspielen sagt sie. Ich habe keine Ahnung was das sein soll, aber schon spüre ich es. Meine Zügel werden nacheinander angezogen: Links Rechts, Links Rechts. Ich hebe meinen Kopf so weit es geht und merke, wie die Schmerzen besser werden. Aber das ist anscheinend falsch und ich bekomme einen Schlag mit der Gerte. Ich senke meinen Kopf und bekomme einen schmerzhaften Stich im Rücken. Ich buckle aus Reflex und schmeiße meine Reiterin ab, da mein Rücken so weh tut...
Könnte ich meiner Reiterin nur sagen, wie sehr mein Rücken schmerzt...

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8.)
Kommst du wieder?

Voller Energie stand ich an der Haustür und machte mein Herrchen auf mich aufmerksam, indem ich unruhig umher lief und winzelte. Ich hatte starken Bewegungsdrang und außerdem wollte ich mit meinem Herrchen spielen. Doch dieser hatte seit mehreren Tagen viel Stress, sodass ich einfach nur noch Nebensache war. Endlich kam er angelaufen, doch er schaute nachdenklich aus. Hatte ich denn etwas getan? Er packte mich grob am Halsband und verfrachtete mich ins Auto.
Als wir auf einer großen Wiese ankamen, öffnete mein Herrchen den Kofferraum und ich preschte sofort wild los. Man tat das mal wieder gut! Plötzlich pfiff mein Mensch und hielt einen Stock hoch, weshalb ich schnell zu ihm trabte. Doch als ich ankam, sah ich das er traurig war. Ich wollte ihn trösten, doch er warf einfach den Stock einen steilen Hang hinunter. Natürlich rannte ich ihm sofort nach und hatte Müh wieder hoch zu kommen. Dies ging die ganze Zeit so, bis ich voller Erschöpfung unten stand und nicht mehr hoch kam. Ich blickte hoch zu meinem Menschen, doch er stand da nicht mehr. Völlig verwirrt bellte ich nach ihm, nur anstatt ihn zu sehen, hörte ich wie das Auto anging. Panik erfasste mich und ich kämpfte mich den Hang mit letzter Kraft hoch. Oben angekommen, sah ich das Auto schon gar nicht mehr. Mein Herz pochte wild und ich stand wie gelähmt da. Zeit verstrich und ich setzte mich an den Fleck wo das Auto stand. Ich wartete. Auf dich mein geliebtes Herrchen. Immer wieder fragte ich mich: "Kommst du wieder?"

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9.)
Ein fast verkorkster Tag

Wie ich doch den Sommer hasse. Da brennt einem die Sonne aufs Gefieder, und an Schlafen ist gar nicht zu denken. Diesem Umstand verdanke ich ein übles Malheur, das ganz schön hätte ins Auge gehen können.
Eine Woche ist es jetzt her. Es war heiß, ich kam die ganze Nacht nicht zum Schlafen, und als ob das nicht reichte, nervten mich auch noch die gackernden Hennen, die einfach nicht den Schnabel halten konnten. Es ist manchmal richtig übel, ein Hahn zu sein!
Lange Rede, kurzer Sinn: Es kam, wie es kommen mußte. Der Vortag war so heiß, daß ich, begleitet von dem Gegacker der Hennen, erst weit nach Mitternacht endlich etwas Schlaf fand. Prompt verpennte ich am nächsten Tag und sah mein Schicksal schon besiegelt. „Wenn dieses verdammte Federvieh uns morgen wieder nicht weckt, werde ich es zum Grillhähnchen verarbeiten!“ hatte Bauer Müller noch einen Tag vorher lauthals geflucht.
Ein Blick auf die Sonnenuhr geworfen … Oh Mist! Schon so spät! Panisch huschte mein Blick über den Bauernhof, und ich wagte nicht zu atmen. Sehr zu meiner Erleichterung schlief Hugo, der Hofhund noch, und auch im Hause war es offenbar noch still.
Ich faßte neuen Mut, eilte auf meinen dünnen Beinen vom Misthaufen weg, sortierte unterwegs grob mein Gefieder … und bemerkte, daß Bauer Müller seine Trittleiter draußen vor dem geöffneten Fenster seines Schlafzimmers stehen lassen hatte. Diese Chance mußte ich nutzen. Frohen Mutes erklomm ich selbige und tat meinen Job. Von der Fensterbank aus erklang kurz darauf mein schönstes KIKERIKIIII!
Zwar saßen Bauer Müller und seine Frau Sekundenbruchteile später kerzengerade in ihren Betten, aber hey! Ich hab getan, was ich tun sollte.
DAS ist gerade noch einmal gut gegangen. Puuuh!!

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10.)
Leise schlich ich mich an meine Beute ran. Mein Schwanz war knapp über dem Waldboden, meine Hinterbeine angespannt für den Sprung.
Die Maus knabberte an einem Samen, ahnte nichts, hatte mir den Rücken zugedreht. Ich machte mich bereit, begab mich in die richtige Stellung und sprang. Um ein Haar verfehlte ich die Maus. Das kleine Tier floh in Richtung eines Busches. Ich rannte ihm hinterher. Der verführerische Geruch stieg in meine Nase. Kurz bevor ich die Maus erwischte schlüpfte sie in ein Loch.
Verärgert setzte ich mich hin und fing an mich zu putzen.
In diesem Moment hörte ich ein Rascheln. Sofort stand ich auf und lauschte. Es war von links gekommen. Vorsichtig drehte ich mich in diese Richtung. „Miau!“ Ein schwarzes Fellknäul sprang hervor und schleuderte mich zu Boden. Mit eingezogenen Krallen wehrte ich mich gegen den Angreifer, seinen Geruch hatte ich sofort erkannt.
Wir rollten uns noch im Laub herum bis die ganze Beute in der näheren Umgebung wusste, dass wir da waren. Danach setzten wir uns auf und glätteten unser Fell. „Wie geht’s dir Abraxas?“ „Gut und dir?“ „Auch gut. Meine Menschen haben mir schon wieder so ein komisches Halsband gekauft. Bin es aber wieder losgeworden. Das Ding vertreibt immer die Beute mit den Geräuschen.“ „Ich versteh dich. Meine haben es zum Glück aufgegeben.“ Ich grinste meinen Bruder an. In der Ferne hörte ich Menschen rufen. „Ich muss los. Bis bald.“ „Bis bald.“ Mein Bruder trabte davon. Er war ein tadelloser Hauskater. Ich selbst blieb noch eine Weile im Wald sitzen.
Erst als die Sonne kurz vorm Untergehen war lief ich selbst nach Hause. Dort angekommen maunzte ich vor der Türe bis man öffnete. Schnell lief ich zu meinem gefüllten Fressnapf. Als dieser leer war legte ich mich in meinen Korb und träumte von einer schönen Jagd.

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11.)
Schon seit vielen Jahren bin ich Schulpony. Trotzdem habe ich so jemanden wie dich noch nie gesehen. Du bist schon etwas größer, aber lachst und quietschst noch wie ein kleines Kind. Schon von weitem streckst du mir deine Arme entgegen und winkst aufgeregt. Deine Eltern bringen dich bis an den Rand des Reitplatzes, dann hebt dein Vater dich aus dem komischen Gerät, in dem du gesessen hast. Gut, dass es da stehen bleibt – ich finde es ein bisschen unheimlich mit den zwei großen runden Dingern an der Seite.

Du wirst zu mir getragen und auf meinen Rücken gesetzt. Ich stehe ganz still, denn irgendwie weiß ich, dass ich vorsichtig sein muss mit dir. Einen Sattel trage ich heute nicht, nur eine Decke mit Voltigiergurt. An den Griffen kannst du dich festhalten. Neugierig drehe ich meinen Kopf zu dir. Du strahlst über das ganze Gesicht. Langsam streckst du eine Hand aus und streichelst mich.

Eine ganze Weile stehen wir so da und ich genieße deine sanften Berührungen. Dann sagt meine Besitzerin etwas zu deinem Vater und er legt deine Finger wieder um den Griff. Als ich losgehe, läuft er neben mir und hält dich weiter fest. Ich bin froh darüber, denn du fühlst dich so schwach und unsicher an, dass ich sonst Angst hätte, du könntest herunterfallen. Immer wieder lachst du und brabbelst vor dich hin. Du wirkst richtig glücklich.

Nach einiger Zeit halten wir an. Du streichelst mich noch einmal richtig lang, dann hebt dein Vater dich wieder herunter. Ist es schon vorbei? Sonst dauern die Reitstunden doch immer länger. Schade, denn ich mag dich. Du bist etwas besonderes und ich verspreche dir, dass ich auf dich aufpassen werde, wenn du auf meinem Rücken sitzt. Auf Wiedersehen, kleine Freundin. Hoffentlich kommst du bald wieder.

-------

12.)
"Es tut mir so leid"

Weißt du noch, als ihr meintetwegen ins Tierheim gekommen seid? Ihr hattet mich in einem Inserat gesehen, euch sofort entschieden, für mich! Einen alten, dicken Kater ohne Papiere, ohne Rasse. Da war ich ganz baff gewesen. Doch mir war alles egal, ich wollte allein sein, niemanden mehr enttäuschen. Ich weiß, ich hätte mich dabei nicht so gegen die Mitnahme sträuben sollen. Ich habe gekratzt, gekämpft. Jeden um mich herum verletzt.

Dabei tat es mir so leid.

Ich habe euch gehasst. Ihr hattet doch keine Ahnung. Eure Geschenke, das Spielzeug, das teure Essen, das alles bedeutete mir nichts. Eure Liebe hingegen. Die war mir neu. Eure Blicke, eure Berührungen – vorsichtig, fragend. Ihr ließt mich in eurem Bett schlafen, habt euch die Zeit für mich genommen. Jeden Morgen, jeden Abend. Ein halbes Jahr. Bis zu dem einen verhängnisvollen Tag.

Weißt du noch, die Nacht, in der ich so still gelegen habe? Du hast gelächelt, im Schlaf, mit traurigen Augen. Ich habe deinen Schmerz gespürt, wollte dich trösten. Doch war selbst dafür leider viel zu schwach.

Es tut mir doch so leid.

An dem Tag bist du früher von der Arbeit nach Hause gekommen, mit laufenden Augen. Ich hatte keinem von euch wehtun wollen. Mein Körper zuckte, mit glasigem Blick. So lange hatte ich es aufgeschoben. Jeden Tag um mein Leben gekämpft. Ihr fuhrt mich in die beste Klinik, habt lange geweint. Ich habe versucht euch zu sagen, ´es tut mir so leid´. Ich hatte es schließlich vor euch schon so lange gewusst.

Alles was ich wollte, war jetzt nur eins: Euch wissen zu lassen, es tat mir doch alles so leid. Ihr gabt mir in diesen Monaten mehr, als die Menschen vor euch in all den Jahren zusammen. Dafür danke ich euch. So sehr.

-------

13.)
Ich hob zufrieden den Kopf. Meine Herde graste um mich herum, ich sah den Fohlen beim Herumtollen zu. Diese jagten sich gerade und sorgten für viel Lärm, um uns herum. Aber da erklang ein aufgebrachtes Wiehern: “Ein Bär kommt!“ Ich drehte mich blitzschnell um und alle Stuten, Fohlen und Jährlinge jagten hinter mir her. Ich rannte lange, wusste nicht wohin, Hauptsache ich entkam der Gefahr! Einen Bären hinter sich zu wissen ist echt unheimlich und wir müssen rennen um unser Leben! Nach einiger Zeit wurde ich wieder langsamer, ich schaute mich um, die Lichtung schien sicher zu sein und letzendlich blieb ich stehen. Meine Herde begann nun auch wieder mit mir zu grasen. Die Fohlen ruhten sich aus und tranken bei ihren Müttern. Wir haben es diesmal alle geschafft, keiner fiel dem Bär zum Opfer. Es bleibt aber immer ein unsicheres Leben diese Wildnis und dennoch möchte ich meine Freiheit nicht missen und wie meine Verwandten in einem Stall eingesperrt stehen müssen. Nun galoppierte ich über die Lichtung der untergehenden Sonne entgegen.

-------

14.)
Meine Hufe donnern über den staubigen Boden, meine Mähne weht im eiskalten Wind. Mit gespitzten Ohren verstärke ich meinen Galopp und fokussiere das Ziel in meinen Augen. Auf meinem Rücken versucht meine Reiterin mit ganzer Kraft meinen kräftigen Körper zu kontrollieren. Ihre zarten Beine reichen nicht einmal über das Sattelblatt, doch das ist kein Grund ihre Schwäche auszunutzen. Wie sagte Furious, das größte Pferd des Stalles immer: Stärke hat es nicht nötig Schwächen auszunutzen!
Mit diesen Worten im Ohr setze ich meinen Weg zu dem lila Steilsprung fort und trage die kleine Reiterin in meinem Sattel sicher über das Hindernis. Kurz darauf ertönt eine männliche Stimme: „Nummer 341 kann schon zum Springplatz!“
Sofort spüre ich die Nervosität meiner Reiterin und setze meinen Weg gelassen in Richtung Springplatz fort. Bevor wir einreiten können, warten wir, bis der vorherige Teilnehmer den Parcours verlässt. Ein edler, pechschwarzer Hengst kommt an uns vorbei. Spöttisch sieht er uns an und beginnt abwertend zu schnauben: „Was will denn so ein Ding auf so einem Riesen? DAS kann ja nur schief gehen!“ Er lacht und die Pferde, die schon auf ihre Platzierung warten, stimmen mit ein.

Sauer trabe ich in die Bahn und lasse meine kleine Reiterin grüßen, ehe ich mit einer großen Galoppade starte. Mit dem Ziel meine Reiterin sicher ins Ziel zu bringen, beginne ich den Parcours. Achtsam reagiere ich auf die kleinsten Hilfen und vergewissere mich nach jedem Sprung, ob meine Kleine auch noch sicher im Sattel sitzt. Das Ziel ist klar vor meinen Augen, also verstärke ich noch einmal das Tempo und setze zum letzten Sprung an…

Stolz trabe ich vor und hole mir die verdiente goldene Schleife ab. „Tja ihr lieben…“ beginne ich zu den Pferden, die sich vor unserem Start lustig gemacht haben „Stärke hat es eben nicht nötig Schwächen auszunutzen!“

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15.)
Aufgeregt spitzte ich meine Ohren, tänzelte voller Energie umher. Mein Blick glitt auf die nahe gelegene Rennbahn. Das war mein Traum. Es kitzelte mir schon in den Hufen, denn gleich würde ich endlich selbst dieses neue Terrain betreten dürfen, den Sand unter mir spüren, auf dem die Champions liefen.
Schon bald wurden die anderen Zweijährigen, inklusive mir, von ein paar Menschen geholt. Hocherhobenen Kopfes schritt ich auf die Rennbahn, mein Körper pulsierte förmlich vor Enthusiasmus. Es mochte ja sein, dass meine Abstammung mich eher als Springer qualifizierte, aber ich wollte unbedingt Rennen bestreiten.
Ein Jockey trat auf mich zu und schwang sich bald auf mich hinauf. Mit Feuereifer betrat ich die Startbox. Ich wusste genau was jetzt kam und war darauf vorbereitet. Beim Signal schoss ich sofort wie ein geölter Blitz aus der Box. Meine Hufe berührten beim Rennen kaum den Boden.
Ich durchschritt stolz die Ziellinie. Der Jockey schwang sich von meinem Rücken und drückte meine Zügel einem Stallburschen in die Hände. Nur kurze Zeit später führte er mich in Richtung der Koppeln. Als ich die anderen Pferde darauf sah, fuhr mir der Schock in die Fesseln. Ich stieß ein lautes, schrilles Wiehern aus. Der Mann löste meinen Strick und schloss das Gatter. Nun stand ich hier, mit den alten, ausrangierten Rennpferden. Was machte ich denn hier? Ich gehörte hier nicht hin! Enttäuscht und unglücklich ließ ich meinen Kopf hängen. Hufgetrampel erklang hinter mir, Diabolo, ein fünf Jahre alter Hengst, trat auf mich zu. "Sei nicht traurig", sprach er schließlich. "Du bist so besser dran. Dein Vater ist ein begnadeter Springer, ich bin sicher, du hast sein Talent. Ich bin gerade mal fünf Jahre alt und meine Sehnen überstrapaziert. Nur drei Jahre des Turniersportes haben mich für mein restliches Leben kaputt gemacht. Glaub mir, es ist besser so."

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Re: [Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 13:35
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WR: Steffi1803(ID: 324722)
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Re: [Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 14:54
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WR: daylie(ID: 164250)
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Re: [Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 14:56
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Re: [Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 15:48
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WR: Sheila-Persephone(ID: 240338)
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Re: [Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 16:12
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WR: Mirahna(ID: 343164)
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Re: [Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 16:58
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Re: [Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 20:18
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WR: mandybella(ID: 310040)
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Zuletzt geändert von Emerald am So 23. Jul 2017, 01:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: [Abstimmung] Schreibwettbewerb Jun/Jul: Einmal ein Tier
Verfasst: Sa 22. Jul 2017, 20:40
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