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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: So 30. Jul 2017, 12:16

Hi :)

ich hab deine Geschichte vor laaaaaaaanger Zeit einmal angefangen zu lesen und habe sie damals echt super gefunden. da ich leider nicht mehr weiß wo ich damals war fange ich von vorne an ;)

ich wollte dir nur sagen, dass mir die Geschichte echt total gefällt und ich sie gerne gelesen habe :) und sicher auch wieder gerne lese :D womit ich bald wieder anfangen werde

und ich bin sicher, dass du viiiiiiiiiiele stille Mitleser hast ;)

LG


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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: Mi 20. Sep 2017, 19:53
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WR: Lady Amazia(ID: 216789)
Danke.

Es geht ein kleines Stück weiter.

Sogleich machte sich Glenda auf den Weg zu Franks Büro, um ihm die Neuigkeit zu überbringen. Als sie sah, dass Frank Gesellschaft hatte, ging sie sofort davon aus, dass es sich um den Mann handeln musste, der ihr in der nächsten Zeit über die Schulter schauen würde. Mehr überraschte es sie, dass Frank nur wenig erstaunt über die neue Entwicklung war. „Hast du etwas alles schon gewusst?“ Glenda blieb der Mund offen stehen. „Nein, nein!“ Frank hob abwehrend die Hände. „Rogan hat lediglich so etwas angedeutet aber nie mehr als das, deswegen überrascht es mich nicht, aber gewusste habe ich es nicht wirklich.“ Er hoffte, wenigstens diesmal einigermaßen überzeugend lügen zu können. Sie würde es ihm nur schwer verzeihen, wenn sie erfuhr, dass er vom ersten Tag an von Rogans Plan gewusst hatte. Aber was hätte er tun sollen, wo sein Chef ihn doch geboten hatte zu schweigen. Ihm fiel ein Stein vom Herzen, als sie nickte und sich seinem Gegenüber zuwandte. „Sie sind also Marco Dorset,“ begrüßte sie ihn halb fragend. Er nickte nur und erhob sich. „Dann kommen sie am besten gleich mit.“ Ohne Umschweife ging Glenda zur Tür. „Wir sehen uns dann später.“ Über die Schulter sah sie noch einmal zu Frank zurück.
Den Tag verbrachte sie nun damit, neben ihrer Arbeit auch noch Marco mit den Abläufen vertraut zu machen. Im Gegensatz zu ihr, denn eigentlich hatte sie etwas anderes gelernt und ihr Können basierte vor allem auf ihrer eigenen Erfahrung und dem Wissen ihres Onkels. Am späten Nachmittag bot sie ihm an, ihn auf ihre abendliche Hafenrunde mitzunehmen. „Ich brauche ihnen nicht erklären, wie sie ihren Job zu machen haben, aber es schadet nicht, gewisse Kontakte und ein Auge für das Geschehen im Hafen zu haben. Und genau dazu nehme ich sie am besten einmal mit.“ Er nickte nur und griff nach Jacke und Tasche. Glenda ging voraus, hinunter zum Anleger. Dort blieb sie einen Moment stehen und blickte über das Wasser, Marco Dorset schlenderte bereits voraus. Vor einem der kleinen modernen Motorboote am Steg blieb er stehen um auf Glenda zu warten. „Hm, da haben sie sich wohl verschätzt.“ Grinsend ging sie an ihm vorbei zu ihrer Syra. „Ich gehöre zu jenen Leuten deren Schiffe älter sind als sie selbst.“ Amüsiert musterte sie seinen erstaunten Ausdruck.

Den Rest der Woche verbrachte sie auf Arbeit damit, dafür zu sorgen, dass Marco sich in ihrem Büro bald genauso gut zurechtfand wie sie. Am Freitag machte sie sich an die liegen gebliebene Schreibarbeit, während er das laufende Geschäft übernahm. Auf ihre abendliche Runde nahm sie ihn an diesem Tag nicht mit, sie wollte noch zu Duncan fahren um mit ihn eine oder zwei Stunden zu segeln, schließlich stand am Sonntag das letzte Qualifikationsrennen an und sie musste mindestens in die Punkte fahren um beim Finale dabei zu sein. Eigentlich hatte sie am Abend auch noch einkaufen wollen, doch bei ihrer Rückkehr war es bereits dunkel und sie hatte keine Lust mehr, jetzt noch einmal los zu gehen. Sie begnügte sich mit zwei belegten Broten als Abendessen und vertagte den Einkauf bis zum nächsten Morgen

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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: Sa 28. Okt 2017, 18:45
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WR: Lady Amazia(ID: 216789)
Mal wieder ein Stück.

Mit wenig Elan schwang Glenda die Beine über den Rand ihrer Koje, eigentlich hatte sie noch immer wenig Lust einkaufen zu gehen, doch es war nötig. Am Nachmittag würde Elly noch einmal vorbeikommen, es war das letzte Wochenende vor der Prüfung. Also schlenderte Glenda kurz nach Neun in Richtung des kleinen Ladens, der nur ein paar Straßen weiter lag. Es waren nur wenige Leute im Geschäft, trotzdem brauchte Glenda eine Weile, ehe sie alles beisammen und bezahlt hatte. Eine ständige Unruhe sorgte dafür, dass sie ständig zurückgehen musste, nur um etwas aus einem Regal zu holen, an dem sie längst vorbeigegangen war. Endlich stand sie, bepackt mit zwei Tüten und ihrem Rucksack auf der Straße.
Ihre Schritte wurden immer schneller, je näher sie dem Hafen kam, etwas stimmte nicht. In Sichtweite des Parks rannte sie, so gut das mitsamt dem Einkauf möglich war, nein irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. Schon vom Tor des Hafengeländes sah sie, was es war, ihre Syra war nicht mehr da. Sie ließ Tüten und Rucksack am Zaun stehen und rannte hinaus auf den Steg, suchend glitt ihr Blick über das Wasser, auch wenn sie innerlich schon wusste, dass sie ihr Schiff nicht sehen würde. Sie konnte sie nicht spüren, also war sie bereits weiter weg. Mit aller Macht zwang sie sich zur Ruhe, versuchte klar zu denken. Was konnte in so kurzer Zeit passiert sein? Ihr Blick suchte die Klampen ab, an denen die Syra festgemacht gewesen war, an zweien waren noch immer ihre Leinen befestigt, beide kurz vor dem Knoten sauber abgetrennt. „Das muss Absicht gewesen sein.“ Der Gedanke zuckte Glenda durch den Kopf. „Ich muss sie finden.“ Mit zittrigen Fingern wählte sie Franks Nummer. „Frank, du musst sofort kommen, jemand hat meine Syra geklaut, ich brauche dich.“ Aufgeregt ließ sie ihn gar nicht zu Wort kommen. Am anderen Ende war nur ungläubiges Murmeln zu hören. „Dann ruf die Polizei, ich komme gleich.“ „Und bring die Schlüssel mit, ich brauche deine Leda.“ Mehr konnte sie nicht mehr sagen, Frank hatte bereits aufgelegt.
Als Frank eintraf standen bereits zwei Polizisten auf dem Steg, am Platz der Syra schaukelte ein Polizeiboot. „Und keine Heldentaten, wir halten die Augen offen,“ hörte Frank einen der Männer noch sagen, bevor diese an Bord gingen und Glenda ihm mit schnellen Schritten entgegen ging.

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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: Mo 30. Okt 2017, 18:06
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WR: Lady Amazia(ID: 216789)
Weiter...

Ein Blick in Glendas Gesicht genügte Frank, ohne ein Wort legte er ihr einen Arm um die Schultern und nahm sie einfach mit an Bord der Leda. Wie betäubt ließ sich Glenda dort nieder, während Frank die Leinen löste und den Hafen verließ. Er wartete, bis sie von selbst anfing zu sprechen. „Sie haben die Leinen gekappt, Gott weiß wer das war. Oh wenn ich denjenigen erwische.“ Wütend ballte Glenda die Fäuste im Schoß während sie gleichzeitig ihre Tränen unterdrückte. Frank zwang sich ruhig zu bleiben. „Wohin soll ich fahren? Hast du eine Vermutung wo sie sein könnte?“ Glenda hob den Kopf und sah ihn an. „Ich habe keine Ahnung wohin sie sie gebracht haben, aber es kann nicht so lange her sein.“ „Entschuldige, falsche Frage...“ Frank machte eine wegwerfende Geste. „Was fühlst du? Willst du vielleicht besser ans Ruder?“ Glenda erhob sich wortlos und übernahm das Steuer. Frank ließ sich dicht neben ihr nieder und musterte sie. Einen Moment lang hielt sie die Augen geschlossen, hielt ihr Gesicht in den Wind, glitzernde Tränen rannen ihre Wangen hinunter. Zu gern wollte Frank jetzt den Arm um sie legen, doch er wagte es nicht. „Setz Segel.“ Tonlos gab sie ihm den Befehl und Frank beeilte sich, ihrem Willen nachzukommen. Er brauchte eine ganze Weile, ehe er den Mut fand, sie zu fragen, wohin sie wollte. „Pashley Island, da in der Nähe gibt es jede Menge Buchten um sich zu verstecken.“ „Aha, gut warum nicht, wenn du es sagst.“ Danach verfielen beide wieder in Schweigen. Erst das Klingeln von Glendas Telefon durchbrach die Stille zwischen ihnen. „Ich geh schon.“ Frank griff nach Glendas Jacke und fischte ihr Handy aus einer der Taschen. „Ja.. Elly was ist denn los.? Wie du stehst im Hafen.“ Fragend sah er Glenda an. „Gib her. Sie wollte heute nochmal mit mir üben, verdammt, das habe ich ganz vergessen. Jetzt steht sie da und keiner ist da.“ Ungeduldig griff sie nach dem Telefon. Möglichst kurz erklärte sie Elly die Lage, am anderen Ende der Leitung wurde es still. „Du veräppelst mich… nein du...Oh Gott.“ Glenda konnte hören wie Elly auf dem Steg nervös auf und ab ging. „Wo seid ihr denn jetzt? Kann ich helfen?“ In Gedanken sah Elly ihre Prüfung bereits abgesagt. „Ich fahre mit Frank Richtung Bowen Island und dann rüber nach Pashley. Wenn du helfen willst, klemm dir deinen Schnellbootbruder unter den Arm und halt in der anderen Richtung Ausschau.“ Frank musste bei Glendas Worten doch etwas grinsen. „Mach ich.“ Damit hatte Elly auch schon aufgelegt.

Während Glenda weiterhin den Kurs hielt, setzte Frank sich nach unten ans Funkgerät, vielleicht hatte ja irgendjemand auf einem der anderen Schiffe in der Gegend etwas gesehen. Anschließend setzte er sich über seine Karten in dem Versuch anhand Wind und Strömung zu berechnen, wohin die Syra getrieben sein könnte, falls man sie wirklich hatte treiben lassen. So vertieft merkte er nicht, wie die Zeit verging, bis ein erstickter Schrei von Deck ihn aus seinen Gedanken riss. Erschrocken stand er auf, und stolperte so schnell es ging nach oben. Glenda stand am Ruder, beide Hände vor dem Gesicht, bleich wie eine Wand und starrte wie versteinert in Richtung der Insel an Steuerbord. Frank folgte ihrem Blick und erschrak ebenso. Auf den Felsen vor der Insel lag die Syra.
Ohne ein Wort übernahm Frank das Ruder, stellte die Leda in den Wind, holte die Segel ein und fuhr dann unter Motor so weit wie gefahrlos möglich an die Felsen heran. Glenda blieb bewegungslos stehen bis er fertig war, dann machte sie sich sofort bereit, ins Wasser zu springen. „Du bist doch verrückt,“ er ergriff ihren Arm, „ich mach das Beiboot klar.“ Glenda nickte nur ohne den Blick von ihrem Schiff zu lösen, das schräg auf den Felsen lag. Sie konnte nicht wirklich sehen, wie groß die Schäden waren, doch das musste sie auch nicht, um zu wissen was los war.
Frank brauchte nicht lange, dann half er ihr in das kleine Dingi zu steigen. „Soll ich mitkommen?“ Besorgt sah er in ihr Gesicht. Glenda schüttelte nur den Kopf.
Angst und Schmerz gaben ihr Kräfte, die dafür sorgten, dass sie trotz der Wellen nur wenige Minuten bis zur Syra brauchte. Vorsichtig kletterte sie über die Felsen. Ein Großteil des Rumpfes lag noch im Wasser, sie würde an Bord müssen, um zu sehen wie groß die Schäden waren. Langsam kletterte sie an Deck, die Türen waren verschlossen, so wie sie sie verlassen hatte, also war ihr Boot wohl bis hierher geschleppt worden. Mühsam kroch sie hinunter in den Rumpf, sie fand kaum Platz ihre Füße aufzusetzen so schräg lag ihr Schiff. Ihr Herz setzte einen Moment aus, als sie schon auf der ersten Stufe nach unten sah, dass das Wasser gut 20 Zentimeter über dem Boden stand, bisher hatte wohl nur die Ebbe verhindert, dass es noch höher stieg. Sie sah auf die Uhr, bis zur Flut blieben ihr noch etwas mehr als zwei Stunden.

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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: Di 31. Okt 2017, 19:28
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Zwei Stunden in denen sie es schaffen musste, das Leck zumindest notdürftig abzudichten um die Syra dann mithilfe der Flut freizuschleppen. Franks Leda würde das kaum schaffen, so schnell es ging kletterte sie nach oben und rief nach Frank. „Ich muss abdichten. Versuch mal, Duncan zu erreichen, der soll mit dem Schlepper kommen!“ Sie musste noch zweimal rufen, ehe Frank verstanden hatte und unter Deck verschwand.
Mit einer Ruhe, die sich sich selbst kaum zugetraut hätte, machte Glenda sich an die Arbeit. Werkzeug und mehrere starke kurze Holzbohlen und Bretter hatte sie unter einer der Luken am Heck. Beruhigt stellte sie fest, dass achtern alles trocken geblieben war, damit stand zumindest die Maschine nicht unter Wasser. Sie nahm zwei Bohlen und ein dünneres Brett mit nach vorn, wo sie Stück für Stück die Bodenbretter entfernte um zu sehen wie es darunter aussah. Im dunklen Wasser war kaum etwas zu erkennen, sodass sie sich weitgehend auf ihr Gefühl und ihren Tastsinn verlassen musste. Die richtigen Stellen zu finden war nicht schwer, sie konnte sich auf die Hilfe ihrer Syra verlassen, die sie zuverlässig leitete. Schwieriger war es, Brett und Bohlen richtig zuzuschneiden um alles richtig zwischen den Spanten verkeilen zu können. Trotz des kalten Wassers, das beständig ihre Füße umspülte war sie bald schweißgebadet. Ein gefaltetes Stück Segeltuch diente ihr als Abdichtung zwischen Rumpf und Brett, darüber klemmte sie die beiden Bohlen zwischen die Spanten, sodass das Brett fest gegen den Außenrumpf gedrückt wurde. Keuchend richtete sie sich auf, Rücken und Knie schmerzten von der verkrümmten Haltung beim Arbeiten. Sie fühlte sich mehr als nur zehn Jahre älter als sie sich mit schmerzenden Gliedern zurück aufs Deck hievte. Mit einem tiefen Seufzer ließ sie sich fallen und blieb einfach auf den Planken sitzen. Erst jetzt begann ihre mühsam aufrechterhaltene Fassung zu bröckeln. Langsam wurde ihr bewusst, dass sie nahe daran gewesen war alles zu verlieren, wirklich alles. Die Syra war nicht nur ihr Schiff, sie war ihr Zuhause, alles was sie besaß war hier an Bord. Sie hatte ihr immer bedenkenlos ihr Leben anvertraut in dem tiefen Wissen, dass ihre treue Freundin sie niemals im Stich lassen würde. Jetzt saß sie hier, war nur um Haaresbreite dem Ruin entronnen und haderte mit dem Schicksal. Langsam hob sie den Kopf, nur undeutlich erkannte sie die Konturen der Leda durch den Schleier ihrer Tränen. Warum, was hatte sie nur getan, womit hatte sie das verdient, erst die Scylla und nun? Der Wind strich kühl durch ihr Haar, spielte mit den Strähnen, die sich während der Arbeit gelöst hatten, doch Glenda bemerkte es kaum. In ihr rasten die Gefühle durcheinander Wut, Trauer und Angst umklammerten ihre Seele und lähmten sie. Lange blieb sie so sitzen, bis Stück für Stück Ruhe über sie kam, getragen von einem tiefen Gefühl der Zuneigung, dass sich in ihre Gedanken schob und Stück für Stück den Sturm in ihr vertrieb. Glenda schaute auf, noch immer Tränen im Gesicht.

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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: Mo 27. Nov 2017, 20:38
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Glenda schaute auf, noch immer Tränen im Gesicht. „Warum tust du das dabei müsste doch ich jetzt stark sein?“ Glenda flüsterte kaum hörbar, doch auch diese Worte waren überflüssig. „Sie bat mich auf dich aufzupassen, vor langer Zeit.“ Der Gedanke strich durch ihren Kopf und machte Glenda noch trauriger. „Sie wusste, dass sie gehen muss, irgendwann.“ Einen Moment hatte sie das Gefühl neben ihrer Syra noch etwas anderes, machtvolleres zu spüren, doch es verschwand so schnell, wie es gekommen war.
Frank schaute von Deck seiner Leda immer wieder besorgt zu Glenda hinüber, er hatte gehofft, sie würde zurückkommen, sobald sie fertig war, stattdessen saß sie auf dem kleinen Stück Felsen, das noch nicht unter Wasser lag. Er konnte nur ahnen, wie es in ihr aussah, doch das genügte ihm, um sich Sorgen zu machen, die Tatsache, dass er nichts tun konnte, außer zu warten, machte es ihm nicht leichter.
Umso größer war die Erleichterung, als endlich die Silhouette von Duncans keinem Schlepper am Horizont auftauchte. Trotzdem dauerte es noch beinahe eine halbe Stunde, ehe auch der Schlepper so nahe wie möglich an den Felsen ankerte. Frank winkte Duncan zu sich herüber, er wollte in dessen Beiboot mit zu Glenda. Er erschrak, als er in ihr Gesicht sah. Alle Farbe war daraus gewichen und sie wirkte um Jahre gealtert. Am liebsten hätte es sie einfach in den Arm genommen, doch er hielt sich zurück, er ahnte, dass sie es jetzt nicht zulassen würde. Stattdessen half er ihr und Duncan die Schleppleine zu befestigen. „Übernimm du ruhig die Leda, ich mach das für dich.“ Sanft legte Frank ihr eine Hand auf die Schulter. Entschieden schüttelte Glenda den Kopf. „Sie braucht mich jetzt, ich mach das schon.“ Ihr Blick ließ keine Widerrede zu auch wenn ihre Stimme merklich zitterte. Frank nickte nur, dann half er ihr ins Boot, auch wenn sie versuchte seine hilfreiche Hand zu ignorieren. Nur wenige Meter auf dem Wasser warteten sie darauf, dass Duncan die Syra vom Felsen holte.
Glenda schloss die Augen, als sie die schwere Maschine des Schleppers hörte. Frank ergriff ihre Hand und sie war dankbar dafür. Kurz darauf spürte Frank ihre Fingernägel schmerzhaft auf seinem Handrücken. Mit einem schabenden Geräusch, das einem durch Mark und Bein ging kam Bewegung in die Syra. Glenda spürte, wie sich die Härchen auf ihren Armen aufrichteten und ein kalter Schauer ihren Körper erfasste. Frank zog sie näher an sich, bis alles vorbei war und die Syra wieder im freien Wasser trieb. Und wieder wurde er von Glendas plötzlicher Wandlungsfähigkeit verblüfft. Eben noch hatte sie zitternd neben ihm gekauert, jetzt gab sie völlig ruhig Befehle und machte sich mit seiner Hilfe daran ein Leckkleid unter den Rumpf ihres Schiffes zu ziehen. Kaum fertig winkte sie hinüber zu Duncan und langsam setzte sich das Gespann in Bewegung, Frank folgte in einigem Abstand. Von hinten fiel ihm erst richtig auf, wie schief die Syra im Wasser lag. Mühsam verdrängt er die Sorge, es würde schon alles gut werden, er wollte sich nicht vorstellen, was geschehen wäre, wenn Glenda an diesem Tag zum zweiten Mal ihr Schiff verloren hätte. Irgendwo auf halben Wege stießen Elly und ihr Bruder zu ihrem Tross. Kaum hatte Frank sie bemerkt, winkte es das Boot heran und seine Nichte kletterte zu ihm an Bord, während ihr Bruder abdrehte und sich auf den Heimweg machte. Genauso wie Frank konnte Elly ihren Blick kaum von der Syra abwenden. „Was soll nun aus meiner Prüfung nächste Woche werden?“ Sie seufzte tief. „Warts erstmal ab, vielleicht ist es gar nicht so schlimm.“ Frank versuchte zuversichtlich zu klingen, doch so wirklich wollte es ihm nicht gelingen.

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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: Mi 20. Dez 2017, 21:02
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WR: Lady Amazia(ID: 216789)
Es war bereits Nachmittag, als sie die Syra in Duncans Werft aus dem Wasser zogen. Während Glenda zumindest äußerlich gefasst den Schaden inspizierte, schlug Elly erschrocken die Hände vor den Mund, als sie die Stellen sah, an denen der Stahl verbogen und gebrochen war. „Das ist nicht das Schlimmste, das kann man schweißen.“ Glendas Finger glitten prüfend über die Bruchkanten. „Die weitaus größere Aufgabe ist die Elektrik, da stand einiges unter Wasser.“
„Wenn ich irgendwie helfen kann.“ Unsicher trat Elly näher heran. „Erstmal ganz sicher, ich muss das ganze Holz rausreißen, das vom Wasser verzogen ist. Und einiges von der restlichen Verkleidung muss auch runter, damit ich an die Kabel komme.“ Elly nickte „Dann versuche ich mich eben als Handwerker.“

Eine ganze Weile arbeiteten Glenda und Elly schweigend, jeder hing seinen Gedanken nach.
„Was wird nun eigentlich aus meiner Prüfung?“ Elly gelang es nicht mehr, die Frage zurückzuhalten, zu lange hatte sie darauf hingearbeitet. „Hmm.“Glenda hielt einen Moment in ihrem Tun inne. „Eigentlich hoffe ich, dass ich nicht länger als eine Woche brauche. Aber ich werde Frank bitten dich in den nächsten Tagen mal mit seiner Leda üben zu lassen, du bist gut genug, dass du dann auch mit ihr die Prüfung schaffst." „Danke.“ Elly versuchte, ihren enttäuschten Unterton zu verbergen, doch ihr war klar, dass er Glenda nicht entging, ganz abgesehen davon, dass sie ihre Gefühle ohnehin erraten würde.
Es war bereits dämmerig, als Elly sich auf den Heimweg machte. Glenda arbeitete allein noch eine Weile weiter, ehe sie sich im letzten Licht des Tages müde auf die Decksplanken sinken ließ.
Still betrachtete sie das Spiel der Wolken am Himmel und die zarten Spiegelungen auf dem Wasser, die hin und wieder von leichten Windböen verwischt wurden. Eine tiefe Traurigkeit stieg in ihr auf und sie ließ es geschehen. Zu sehr erinnerte sie der Moment an all die Abende die sie bei ihrer alten Scylla am Strand verbracht hatte.
„Ich könnte gut verstehen, wenn du morgen nicht segeln wolltest.“ Duncan ließ sich neben ihr nieder. „So wichtig ist mir der Cup nicht und du hast längst gezeigt, was mein altes Mädchen kann.“ Sein trauriger Blick strafte seine Worte Lügen, doch er wandte sich eilig ab. Einen Moment blieb es still zwischen ihnen. „Nein, ich werde segeln. Robert hatte mich nach dem letzten Rennen gewarnt, dass etwas passieren könnte, dass man uns aus dem Weg haben will. Ob diese unglückliche Geschichte wirklich damit zu tun hat werde ich wohl nie erfahren, aber wenn doch, dann sollen sie sehen, dass ich niemals aufgebe.“ Eine einzelne Träne rann über Glendas Gesicht. „Ich bin sicher sie hätte es so gewollt und dein kleines Mädchen auch, aber das weist du ja selbst. Ich werde morgen hier bleiben und auf sie aufpassen.“ Sanft legte er ihr seine Hand auf die Schulter.

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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: Mo 26. Feb 2018, 22:04
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WR: Lady Amazia(ID: 216789)
Mal wieder ein Stücklein...

„Willst du heute Nacht in meiner Stube schlafen. Ist bestimmt nicht so gemütlich in einer feuchten Koje.“ In pastellenen Licht der Dämmerung hatte sein Lächeln einen eigentümlichen Schimmer und Glenda glaubte beinahe, dahinter andere Farben zu sehen, dunklere Töne, gerade so, als schaue sie direkt in die Tiefe seiner Seele. Und sie wusste, eigentlich brauchte er keine Antwort, er kannte sie längst. „Danke, aber ich kann achtern schlafen, da ist alles noch trocken.“ Mit einem Gähnen stand Glenda auf.

Am nächsten Morgen war Glenda noch vor dem ersten Tageslicht auf den Beinen. Sie wollte noch etwas arbeiten, bevor sie sich auf den Weg zur Regatta machen musste. Sorgfältig bereitete sie alles für das Schweißen des Rumpfes vor, schaffte das restliche Holz, welches ohnehin feucht und verzogen war fort, breitete den Inhalt der Schränke draußen zum Trocknen aus und legte dann von innen eine Metallplatte als Schutz vor der Hitze über die Spanten oberhalb der Leckstelle. Das entsprach zwar nicht unbedingt den Vorgaben, würde für ihre Zwecke aber genügen. Zum Schweißen kam sie nicht mehr, denn sie würde kaum mehr fertig werden, ehe sie sich auf den Weg machen musste, also verschob sie die Arbeit zähneknirschend auf den Abend und trottete hinunter zur Obsidian. Sie hatte Duncan an diesem Morgen noch gar nicht gesehen, doch er musste schon dagewesen sein, denn es war alles schon für sie vorbereitet. Suchend sah sie sich um, doch vom dem Alten keine Spur, also machte sie sich direkt auf den Weg. Schon auf dem Weg zum Starthafen merkte sie, dass es heute völlig anders sein würde. In ihr brodelte es wie in einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Noch vor einigen Monaten hätte sie jetzt Schwierigkeiten gehabt, sich zu konzentrieren und Kontakt zu ihrem Schiff aufzunehmen, doch es gelang ihr mühelos. Nein, es war nicht nur mühelos, es war, als verstehe die Obsidian den stummen Schrei der Wut und Trauer, der durch Glendas Seele tobte und schloss sich ihr an. Etwas derartiges hatte Glenda noch niemals gespürt, es war, als wären sie endgültig eine Seele in zwei Körpern, unendlich stark, unendlich erfahren, verbunden durch nichts als Wut und Trauer und Entschlossenheit.

Glenda kam erst kurz vor dem Skippertreffen im Hafen an. Nur kurz blieb ihr Zeit, zu Frank zu gehen um ihn dann zu begleiten. „Wie geht es dir?“ Empfing er sie anstelle eine Begrüßung, doch er brach gleich wieder ab, als er in ihr Gesicht schaute. In ihren Augen loderte ein Feuer, dass wohl zurecht einem jeden Angst machen würde, der heute gegen sie antrat. „Was ist denn mit dir los?“ Erschrocken wich er einen Schritt zurück. „Alles gut.“ Glenda ergriff seine Hand. Es geht mir schon wieder besser und mein altes Mädchen kriege ich auch wieder hin.“ „Uff.“ Erleichtert atmete Frank aus. „Du hast nur gerade ausgesehen wie ein leibhaftiger Dämon.“ Glenda sah ihn an. „Nicht für dich, doch dort draußen werde ich es heute sein, eine Furie zwischen Himmel und Meer.“ Sie grinste. „Ist das poetisch genug. Danke dir, jetzt habe ich bessere Laune.“ Damit ging sie voran zum Treffpunkt.

Anders als in den Läufen zuvor würde die Strecke heute länger sein, so wie auch beim Finale, das kam Glenda entgegen, denn der Wind wehte kräftig und gab den großen Jachten einen Vorteil, den sie auf kurzen Kurs kaum einholen könnte. Letztenendes brauchte sie jedoch keinen Sieg ein Platz unter den ersten zehn würde genügen um die Punkte für eine Finalteilnahme zu erreichen. Der Start lag in östlicher Richtung, der Kurs hart am Wind. Kaum spürte sie den Wind im Gesicht, und die Gischt auf der Haut, überkam sie jene Ruhe, in der alles andere langsamer abzulaufen schien. Die Flagge auf dem Boot neben der Startlinie senkte sich und das Feld begann sich zögerlich auseinander zu ziehen. Wie meistens hatte Glenda sich einen Platz an der Außenseite des Feldes gesucht wo sie möglichst schnell freie Bahn haben würde.
Es dauerte nicht lange und sie hatte sich zusammen mit einer kleinen Spitzengruppe vom Feld abgesetzte, ganz vorn wie bei dem Wind zu erwarten, die beiden großen Jachten. Schnell merkte sie, dass sie die beiden heute wohl kaum einholen konnte. „Höher ran, los mach schon.“ Einen Moment hielt Glenda inne, sie kannte die Obsidian, mehr als jetzt war nicht drin. „Mach jetzt.“ Gleichzeitig fühlte sie wieder diese enorme Kraft, spürte, wie etwas anderes ihre Sinne schärfte. Vorsichtig versuchte sie zu gehorchen, immer darauf bedacht, dem Wind nicht zu nahe zu kommen und damit ihr Tempo einzubüßen. Als sie spürte, wie der Druck auf den Segeln weniger wurde, wollte sie sofort zurück auf den alten Kurs, doch etwas hielt sie zurück. Und mit einem Mal fühlte sie, wie sich all die angestaute Kraft entlud. Es war genauso wie auf dem Weg zum Hafen, nur noch viel stärker und doch anders. Es war als gelänge es der Obsidian ihrer beider pure Willenskraft zu nutzen um ihr Tempo zu halten, obwohl Wind und Kurs es nicht hergaben. Einen Moment wusste Glenda vor Staunen nicht einmal zu denken, im nächsten Moment brüllte sie Wind und Gegnern ihre Herausforderung entgegen. Sie öffnete ihren Geist und ließ die Kraft frei fließen. Irgendwann versiegten die Ströme gewaltiger Kraft und sie musste den Kurs leicht ändern, doch sie stellte zufrieden fest, dass es genügt hatte, ihr eine Kreuz vor der Wendemarke zu sparen. Ein entscheidender Vorteil, denn plötzlich war sie den Führenden ganz nah. Kurz hinter ihnen ging sie in die Wendung und damit vor den Wind. Ein bitteres Lächeln stahl sich auf ihre Züge. „Wenn es wirklich euer Werk war, um mich aus dem Rennen zu werfen, dann ist dies eure Lektion. Was uns nicht umbringt macht uns stärker.“ Glendas Flüstern wurde ihr vom Wind von den Lippen gerissen. Die reißende Flut in ihrem Geist war versiegt, trotzdem hatte sie auch jetzt das Gefühl, schneller zu sein, als sie es eigentlich sein dürfte.
Erst als sie das Signal hörte, das den Zieleinlauf begleitete, wurde ihr langsam klar, dass sie irgendwo auf den letzten Meilen an den beiden Führenden vorbeigezogen sein musste. Es war ihr, als kehre sie erst jetzt langsam zu sich selbst zurück, alles was während des Rennens geschehen war, kam ihr seltsam unscharf vor, so als erwache sie aus einem Traum.
Vom Hafen aus sah sie zu wie auch die letzten die Ziellinie überquerten und trabte dann über die Stege und Frank ganz selbstverständlich beim Anlegen zu helfen. „Tja, das Finale findet mal wieder ohne mich statt. Aber das habe ich ja von Anfang an gewusst.“ Lächelnd trat Frank zu ihr. „Aber sag mal dich hat heute der Teufel geritten oder?“ Glenda schüttelte den Kopf. „Das nicht, ich habe wohl nur zum ersten Mal wirklich erlebt, wozu sie fähig sind und wozu ich wirklich fähig bin.“ Frank sah sie fragend an. „Ich glaube dir das alles ja, aber so richtig vorstellen kann ich mir das trotzdem nicht. Aber was solls.“ Er zuckte mit den Schultern und ging in Richtung Hauptgebäude. „Los komm schon, du musst aufs Treppchen.“ Frank wandte sich nach Glenda um, die stehen geblieben war und nachdenklich aufs Meer schaute. „Ich komme ja schon.“ Mit einem Seufzen, folgte sie ihm, sie hatte wenig Lust auf den Trubel. Viel lieber würde sie jetzt schon wieder auf der Werft sein.
So kam es auch, dass sie, kaum war die Siegerehrung beendet, auch schon wieder auf dem Wasser war. Weder Frank noch Robert gelang es, sie abzufangen.

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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: Do 5. Apr 2018, 20:01
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Für die stillen Mitleser :)

„Und, wie wars?“ Glenda konnte die Neugier in Duncans Augen sehen und grinste. „Wenn sie mich bisher für potentielle Konkurrenz gehalten haben, dann sollten sie jetzt wirklich Angst haben.“ Während sie an Deck der Obsidian für Ordnung sorgte, erstattete sie dem Alten ausführlich Bericht. „Ich wusste, dass du es kannst.“ Duncans Lächeln entblößte einen schimmernden Goldzahn. „Warum hast du mir davon nie erzählt?“ Fragend sah sie ihn an. „Hätte es dir denn geholfen. Das ist nichts, was mit dem Wissen darum zu erzwingen wäre, es ist ein Geschenk. Und jetzt komm, ein bisschen feiern wird wohl erlaubt sein.“ Noch immer mit einem seligen Ausdruck im Gesicht reichte er ihr die Hand.
Auf einer alten Kiste im Schatten ihrer Syra hatte er Kuchen und eine Flasche Sekt abgestellt, nun setzte er sich auf den Bretterstapel daneben und sah Glenda erwartungsvoll an. „Eigentlich müsste ich...Moment, du hast doch nicht etwa?“ Mit kritischem Blick duckte Glenda sich unter den Bug. „Du spinnst doch, das hätte ich doch selber machen können.“ Statt einer Erwiderung reichte Duncan ihr einfach ein Glas Sekt. „Ich bin Schiffbauer, also lass mich meine Arbeit tun, während du deine tust, Frau Kapitän.“ Dankbar sah sie ihn an und hob ihr Glas und ließ sich nun doch neben ihm nieder. „Und ich gebs ja zu, so schön hätte ich das eher nicht gemacht.“ Anstatt so wie sie es gemacht hätte, einfach eine Platte über das Leck zu schweißen, hatte er die beschädigte Stahlplatte komplett entfernt und durch eine neue ersetzt. Wenn sie erst mit dem Anstrich fertig war, würde nicht einmal eine Narbe bleiben. Verstohlen wischte sich Glenda eine Träne aus dem Augenwinkel. „Danke Duncan, was würde ich nur ohne dich machen.“

Die ganze folgende Woche überließ Glenda auf Arbeit alles was nur möglich war Marco, der sie ja ohnehin bald ersetzen sollte und verschwand schon früh wieder in Richtung Werft. Das ein oder andere Telefonat konnte sie auch von dort führen.
Duncan half ihr wann immer er neben seiner normalen Arbeit Zeit fand und auch Elly kam regelmäßig und versuchte sich nützlich zu machen. Als sie Mitte der Woche zur Werft kam und die Syra wieder im Wasser sah, bekam sie langsam Hoffnung, dass ihre Prüfung doch noch zu retten war. Von langer Dauer war diese jedoch nicht, denn an Bord sah es, zumindest nach Ellys Maßstäben noch immer völlig chaotisch aus. Viele Verkleidungen fehlten und von Glenda war bis auf die Beine nichts zu sehen. Ihr ganzer Oberkörper war in dem schmalen Raum zwischen Holz und Rumpf verschwunden um an die dort verlaufenden Kabel zu kommen. „Ach du Schande.“ Schnell hielt sich Elly die Hand vor den Mund. „Nette Begrüßung.“ Gedämpft hörte sie Glendas Stimme. „Reich mal die Zange.“ Eine Hand schob sich nach draußen. Suchend sah Elly sich um. „Hähh, wo denn?“ Sie konnte partout keine Zange entdecken. Vage deutete die Hand in Richtung Kartentisch. „Achso da.“ Schnell reichte Elly das gewünschte. Erst eine ganze Weile und einige Flüche später schob sich Glenda rückwärts aus dem engen Raum. „Hallo erstmal richtig.“ Sie grinste. Elly trat von einem Fuß auf den anderen. „Sag mal weißt du schon ob du bis Sonntag alles schaffst?“ Glenda schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, aber das kann ich nicht sagen. Wenn es nur um die Bauerei an sich ginge wahrscheinlich ja, aber auch Duncan hat nicht alles da, was ich brauche und manches kann ich eben erst machen wenn die Teile da sind.“ Elly seufzte nur. „Dann werde ich Frank wohl doch nochmal um eine Übungsstunde bitten.“ „Ist wohl besser.“ Glenda nickte kurz und machte sich dann wieder an die Arbeit.
Am Abend, Elly war schon eine Weile fort, kam Duncan zu Glenda herunter. „Ich habe mich mal durch meine Schuppen gegraben, aber an Holz ist nicht mehr wirklich was da. Soll ich dir da was bestellen, ist ja doch einiges was neu rein muss?“ „Aber gerne doch.“ Im Halbdunkel war Glenda nur schemenhaft zu erkennen. „Was soll ich denn holen? Ich meine, wenn nötig bekomme ich die Farbe auch mit Lasur so hin, dass es zum Rest schon passt.“ Er fühlte sich nicht wohl dabei, Glenda direkt nach ihren Finanzen zu fragen. „ Nein danke, das passt schon. Da kommt wieder Mahagoni rein, so wie vorher. Dann gibts für mich eben das nächste Jahr keine Schokolade, und die alte Jeans tuts auch noch ein bisschen.“ Sie grinste, als sie das erschrockene Gesicht des Alten sah. „Ach Quatsch, so eng ist es bei mir gerade nun wirklich nicht und selbst wenn es so wäre, keine halben Sachen wenn es um mein Schiff geht.“ Der Alte nickte. „Eigentlich hätte ich mir das auch denken können. Dann mach ich mal.“

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Re: Hoffnungshorizont - Eine etwas andere Geschichte
Verfasst: So 6. Mai 2018, 16:40
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Je öfter Elly zum Helfen auf der Werft war, desto mehr staunte sie jedes Mal darüber, dass Glenda scheinbar in der Lage war, alle nötigen Arbeiten weitestgehend selbst zu erledigen. „Bist du jetzt auch noch Tischler?“ Mit großen Augen sah sie Glenda beim Einpassen der neuen Verkleidung zu. „Naja, eine ganze Schrankwand würde ich wohl eher nicht bauen, aber anhand der alten Teile als Vorlage die neuen anpassen, das kriege ich schon hin.“ Ohne weiter zu fragen nahm Elly alles hin und versuchte sich nützlich zu machen, was für sie an diesem Nachmittag vor allem eines bedeutete: Kanten abschleifen bis ihr die Finger schmerzten.
Am Abend saß sie erschöpft neben Glenda und genoss den tiefroten Sonnenuntergang. „Wird es was am Sonntag? Ich weiß, ich nerve dich bestimmt mit der Frage aber...“ Glenda seufzte. „Ich versuche es, aber garantieren kann ich nichts.“ „Hmmm.“ Elly brummelte vor sich hin. „Dann besuch ich morgen nochmal Frank, zur Sicherheit.“ „Und ich mach noch ein bisschen weiter.“ Damit stand Glenda auf und ging zurück an Bord, während sich Elly auf den Heimweg machte.

Am Samstag vor der Prüfung ließ sich Elly nicht auf der Werft sehen, lieber steckte sie die Nase in ihre Bücher um für die Theorieprüfung absolut sicher zu sein. Erst am Abend rief sie bei Glenda an, langsam müsste diese schließlich wissen, ob alles fertig war. „Theoretisch bin ich fertig.“ Elly wollte schon erleichtert aufatmen, da fügte Glenda noch an: „Praktisch läuft sie aber noch nicht. Ich sehe zu, dass ich das heute noch hinbekomme, aber dafür müsste ich erstmal den Fehler finden.“
„Dann mal viel Glück und bis morgen.“ Seufzend legte Elly auf, also würde sie die Prüfung wohl doch mit Franks Leda fahren müssen. Sie ging früh ins Bett, konnte jedoch lange nicht schlafen, denn langsam kroch die Aufregung in ihr hoch.

Leise fluchend schob sich Glenda nun schon zum dritten Mal hinter die Holzverkleidung um die Kabel zu prüfen. „Verdammt es wäre zu schön, wenn du mir einfach sagen könntest was los ist,“ grummelte Glenda in ihren nicht vorhandenen Bart. „Ja ja, ich weiß, das hättest du längst...“
Duncan hatte ihr noch eine ganze Weile bei der Fehlersuche geholfen, war aber mit dem Dunkelwerden gegangen. Mittlerweile war es draußen komplett finster, trotzdem machte Glenda weiter, vor allem Elly zuliebe.
Irgendwann, ihr Zeitgefühl hatte sie längst verloren, startete die Maschine endlich. Erleichtert atmete Glenda auf, machte die Leinen los und kurz darauf war die Syra mit der Dunkelheit verschmolzen. Sie fuhr nur bis zu ihrem Liegeplatz im Hafen, aber die Strecke genügte, um sicher zu gehen, dass wirklich alles funktionierte. Erst weit nach Mitternacht fiel sie müde in ihre Koje, nur um schon im Morgengrauen wieder auf den Beinen zu sein. Sie wollte noch für Ordnung sorgen, bevor sie sich auf den Weg zu dem kleinen Hafen machte, in dem die Prüfungen abgehalten wurden.

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